Qualifikationen deutscher Endodontologen

Qualifikationen deutscher Endodontologen

Die American Association of Endodontists (AAE) fordert eine mindestens 2-jährige fulltime Ausbildung an einer von ihr akkreditierten Universität, um die Qualifikation des Spezialisten für Endodontie zu erlangen. Der Titel des Master of Science setzt ein zusätzliches Jahr Forschung sowie das Verfassen und die Verteidigung einer Master Thesis voraus.

Die höchste Qualitätsstufe weltweit kann durch den American Board of Endodontists erworben werden. Hierbei müssen zusätzlich zu einem an einer akkreditierten Universität erfolgten Spezialisierungsprogramms ein schriftliches Examen, ein „Case Portofolio“ sowie eine Mündliche Prüfung vor dem Borad of Examiners erfolgreich abgelegt werden- der ganze Prozess erstreckt sich über mehrere Jahre!

Aufschlussreich für Sie dürfte auch die Publikation → ESE specialist guidelines (→ Europäische Gesellschaft für Endodontie) aus dem International Endodontic Journal des Jahres 2010 sein.

Unter Bezug auf epidemiologische Studien wird auf einen suboptimalen Standard endodontischer Behandlungen in den verschiedensten europäischen Ländern verwiesen, welcher zum Teil durch Mängel in Quantität und Qualität der Ausbildung sowie der klinischen Expertise während des Zahnmedizinstudiums bedingt ist.

Als Minimalkriterien hinsichtlich der Ausbildung zum Spezialisten für Endodontologie werden von der ESE u.a. postuliert:

  • 3 jähriges universitäres full-time Programm, welches die klinische Ausbildung, das Studium der sogenannten „Basic Sciences“ sowie ein Forschungsprojekt auf Master Level beinhaltet
  • regelmäßige Überprüfung des angeeigneten Wissens der Lerninhalte
  • Betreuung / Supervision durch entsprechend qualifiziertes Lehrpersonal

In Deutschland gibt es eine breite Palette von Weiterbildungsmöglichkeiten, welche sich allerdings hinsichtlich Umfang und Qualität zum Teil erheblich unterscheiden und wobei keines dieser „Spezialisierungsprogramme“ auch nur annähernd die ESE Richtlinien erfüllt:

  1. Ausbildung zum DGZ Spezialisten Endodontologie, welche eine universitäre full-time Ausbildung beinhaltet. (Das Problem hierbei ist, dass die praktische Umsetzung in vielen Fällen nicht den Richtlinien entspricht, da sich der Assistenzzahnarzt meist als Autodidakt betätigt, das Studium der Grundlagenfächer formell nicht strukturiert und organisiert ist sowie keine Überprüfung des gelernten Wissens erfolgt. Außerdem wird der Assistenzarzt zu mehr als 50% seiner Arbeitszeit in die Betreuung und Ausbildung von Studenten eingebunden)
  2. Masterstudiengang Endodontologie Dental Academy Düsseldorf. (Problem hierbei: 2-jährig, Teilzeit, berufsbegleitende Ausbildung, behandelt wird in den eigenen 4 Wänden ohne entsprechende Supervision/Kontrolle, der Titel des Master of Science wird mit einem wesentlich geringeren Anforderungsprofil im Vergleich zu den Richtlinien der Amerikanischen Hochschulen oder der ESE verliehen)
  3. Masterstudiengang Endodontologie Universität Krems (vom Aufbau ähnlich wie 2)
  4. Spezialist der DGET (ursprünglich von Praktikern für Praktiker konzipiertes Curriculum von Wochenendfortbildungen, durch die Fusion mit der DGZ wurde versucht, dem Ganzen einen wissenschaftlichen Touch zu geben, die Richtlinien im Vergleich zum DGZ Spezialisten wurden an vielen Stellen völlig aufgeweicht!)
  5. Kammerzertifikat „Tätigkeitsschwerpunkt Endodontie“ (in manchen Kammern kann dies jeder Zahnarzt nach eigener Einschätzung auf sein Schild schreiben, in anderen Kammern wird ein Endodontie Curriculum von mehreren Wochenendfortbildungen vorausgesetzt)

Festzustellen ist, dass keine der in Deutschland angebotenen „Spezialisierungsprogramme“ auch nur annähernd die ESE Richtlinien erfüllt!

In meiner Funktion als Lehrbeauftragter an der Universität Würzburg (1998-2001), der Universität Freiburg (2002-2004), der Universitee de Paris Diderot (seit 2012), als Dozent an der Dental Academy Düsseldorf (seit 2011), als wissenschaftlicher Leiter des Curriculum Endodontie der Zahnärztekammer Hamburg kann ich sehr objektiv die unterschiedlichen Evidenzlevel der verschiedenen Programme beurteilen.

Das Postgraduierten Programm Endodontologie der Universität Diderot in Paris erfüllt als eines der wenigen Universitäten in Europa die von der ESE postulierten Kriterien.

Konklusion:

Aufgrund der fehlenden eindeutigen Richtlinien von Seiten des Staates sowie der extrem unterschiedlichen Qualitätsstandards der unterschiedlichen Weiterbildungsangebote hat der Patient in Deutschland unter Umständen erhebliche Probleme, einen Zahnarzt zu finden, der über ein wirklich profundes Grundlagenwissen, weit überdurchschnittliche Behandlungsfertigkeiten sowie eine entsprechende Expertise auf dem Gebiet der Endodontologie verfügt.

© Copyright - Dr. Oliver Pontius